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Cousinenbomber - Gedichte & Satiren |
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Wir alle kennen das Problem. Da hat man gerade den schönsten Atommüll-Transport in die Wege geleitet und schon stehen die Presse-Fritzen vor der Tür; man kann kein noch so kleines Kernkraftwerk in der Innenstadt mehr bauen, ohne dass man am nächsten Morgen als vermeintlicher Umweltschänder von den Zeitungen zu Hackfleisch verarbeitet wird. Das alles soll jetzt anders werden, denn endlich hat sich ein Anbieter bereit erklärt, diese ewig auf PD-Ebene dahin vegetierende 13CD-Box ins Programm aufzunehmen.
Die Bedienung ist denkbar einfach: Nach Einlegen und Hochladen der ersten Scheibe erscheint ein schmuckes Begrüßungsfenster, in dem wir praktische Buttons zum Anzeigen des Inhaltes und der Urheberrechtshinweise und zum Starten eines netten Malprogramms bzw. des eigentlichen Statementmakers vorfinden. Das Hintergrundbild, ein Radioaktiv-Symbol mit dem verschnörkelten Schriftzug "War was?", lässt auf eine dauerhafte Erweiterung des Software-Bestandes hoffen und schon öffnet sich der Hauptbildschirm, in dem - man siehe und staune - eine Menge Schieberegler und Auswahlfenster zur Festlegung der Ausrede-Parameter auf ihre Benutzung warten.
Ja, Sie haben richtig gelesen: Die "Ausrede-Parameter" bilden (neben dem Kate Moss Jahreskalender auf der elften CD) das Herzstück dieses Programms, das übrigens mindestens zehn Megabyte zum Laufen braucht und seinen Dienst am alten 500er gänzlich verweigert. An unserem Redaktions-Amiga läuft jedoch alles flüssig und ohne längere Ladezeiten, die Voraussetzung einer Festplatte mit mind. drei Gigabyte freiem Speicherplatz ist ebenfalls erfüllt.
Nun zu den Aufgaben und Fähigkeiten des Statementmakers: In einer kleinen Eingabemaske ist kurz das Problem anzugeben, um dessen Lösung willen man sich diesen Speicherkiller zugelegt hat. Sogleich erhält man in einem Extrafenster eine Reihe von potentiellen Sofortlösungen, die per integrierte Faxweiche auf der Stelle verschickt werden können. Für die größeren Probleme gibt es eine ganze Reihe weiterer Optionen, durch deren sinnvolle Festlegung die automatisch erstellten Texte erst so richtig glaubhaft und außergewöhnlich erscheinen.
Um nur ein Beispiel zu nennen, nimmt den größten Teil der vierten CD der "Fremdwort-Faktor" ein, ein frei wählbarer Prozentsatz, der sich aus einer per Zufallsgenerator aus dem integrierten Lexikon (siebte CD) ausgewählten beliebig großen Anzahl eben fremder Wörter zusammensetzt, die ebenso kurz entschlossen wie wahllos vom Programm in den Text eingefügt werden. Schließlich soll das entworfene Statement später nicht verstanden werden sondern quantitativ die Nachfrage nach einer öffentlichen Stellungnahme decken (diese Funktion ist in der Shareware-Version leider nicht enthalten).
Mit diesem Programm hat man jedoch weit mehr Möglichkeiten, als sture Rechtfertigungen in eigener Sache zu entwerfen; beispielsweise lassen sich nach der Themeneingabe durch einen kurzen Knopfdruck die unterschiedlichsten Reportagen, Berichte und Biographien erstellen, die nach ihrer Fertigstellung selbst Vergleichen mit Werken namhafter Autoren standhalten. Redakteure können endlich ihre Abgabetermine einhalten und in ihrer Freizeit wieder mehr Golf spielen, während ihre Chefs Gehaltserhöhungen am laufenden Band veranlassen. Selbst automatisierte Rezensionen von Spielen und Anwendungen für die verschiedensten Computersysteme sind mit diesem Programm kein Problem mehr.
Aus: Jan Achtmann - Cousinenbomber (j8m.de)
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