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Wieso die Sahara früher Shr hieß"Na los, beweg dich!" Restlos demotiviert und nach unzähligen Aufforderungen zu keinem weiteren Wort mehr fähig ließ das Amöben-Weibchen sich stöhnend in den glühenden Sand fallen - es war einfach zu heiß. Beunruhigt lauschte sie den unregelmäßigen Atemzügen ihres Reittieres, einer trotz aller Anstrengung noch ganz rüstigen Wanderschnecke, die jedoch leider einen schlimmen Sprachfehler hatte, sie konnte nämlich keine Vokale aussprechen. Dieser Misstand hinderte sie aber nicht daran, sich bei dieser mörderischen Hitze erst einmal in ihr mitgebrachtes Häuschen zurück zu ziehen - das sie sich im Laufe der letzten Jahre recht gemütlich eingerichtet hatte - um sich ein wenig von den Strapazen der bisherigen Reise zu erholen. Gilly, das Amöben-Weibchen, betätigte sich dagegen eher praktisch: Im Schatten eines hervorstehenden Sandkorns durchwühlte sie ihre selbst gestrickte Umhängetasche nach der Landkarte, die ihr seit einigen Tagen den Weg wies. "Komisch, ich kann sie nicht finden", murmelte sie, "dabei hab ich sie doch erst gestern noch gebraucht..." - "Mnst d d hr?" Mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen kroch die Schnecke ein wenig aus ihrer Wohnhöhle heraus und blies Gilly einen winzigen Papierfetzen entgegen, auf dem bei genauerem Hinsehen viele kleine Eintragungen vorgenommen worden waren. "Hey, danke Ragna!" - Aus sitzender Position erhob sich die Amöbe geschwind in die Luft, drehte sich zur Orientierung einmal kurz um die eigene Achse und nutzte einen kleinen Aufwind aus Nordost, um die noch segelnde Karte aufzufangen und mit einem Sturzflug zu ihrem alten Platz zurückzukehren. "Ncht schlcht, gr ncht ml schlcht." Die Wanderschnecke war sichtlich beeindruckt. Gilly wandte sich der Karte zu: "Tja, wenn du fleißig weiterübst, kannst du das auch irgendwann... - Sag mal, wo sind wir eigentlich?" Seit Tagen waren die beiden durch eine endlos scheinende Wüstenlandschaft gezogen, und außer einem aufdringlichen Falken, der eine Zeit lang seine Kreise über ihnen zog, dann aber gen Westen verschwand, war ihnen niemand begegnet, und das konnte, wenn es nach Ragna ging, ruhig noch eine ganze Weile so bleiben. Etwas zögerlich wanderten Gillys Finger über die Karte, verharrten einen Moment über einem sich dahin schlängelnden Fluss, bewegten sich mal hierhin und mal dorthin und blieben schließlich inmitten eines riesigen, braunen Feldes hängen, das sich etwa über die halbe Karte erstreckte. "Ich glaube, wir sind ziemlich genau hier. Jaa, obwohl das unsere Situation nicht gerade verbessert, muss ich sagen, dass das ziemlich sicher ist. Ich meine, warst du schon mal exakter Mittelpunkt einer überdimensionalen Wüste, die scheinbar nicht mal einen Namen hat?" - "Hmmm" murmelte Ragna, der gerade eine wunderbare Stellung zur Sonne gefunden hatte, in der sein karges Haupthaar besonders schön gewärmt wurde. "Was?" - Gilly meinte, nicht richtig verstanden zu haben, weswegen Ragna erneut den Kopf hob und sprach: "Nn, bshr nch ncht, br wnn's ml swt st, dnn wr mn rst mtshndlng, dr Wst nn Nmn z gbn - dr shst d ds ndrs?" Erschrocken ließ Gilly die Karte sinken: "Natürlich nicht, wo denkst du hin? Du hast Ideen..." Sie nahm die Karte wieder auf, dahinter verborgen klang ihre Stimme noch leiser als sie ohnehin schon war, jedoch mit ebensoviel Tatendrang: "Wie wollen wir sie denn nennen? - Eigentlich müsstest du ihr einen Namen geben. War schließlich deine Idee." Erfreut öffnete Ragna die Augen: "Rrgh!!" Die Sonne schien ihm direkt ins Gesicht. Mit der Geschwindigkeit, die man sich für eine Wanderschnecke mittlerer Größe vorstellt, drehte er sich ein Stückchen zur Seite. "Bssr. N j, zm Bspl - hmm... N, zm Bspl..." - Er beugte sich zu Gilly hinüber und flüsterte ihr etwas ins Ohr, besser gesagt: ins Gesicht. "Hui, wie kreativ!" Die Amöbe freute sich und zückte den Füller. Ein leises Kratzen war zu vernehmen, als der Schreiber über die Karte strich, begleitet vom unterdrückten Gekicher der beiden Tiere. Aus: Jan Achtmann - Cousinenbomber (j8m.de) Zurück zur Rahmenhandlung / zur Übersicht
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